Im Lorenzeloch

Alljährlich wird in der Presse aus Herxheimer Sicht über diesen Brauch ausführlich berichtet. Wenn nun auch die von Viktor Carl im Jahre 1986 herausgegebene pfälzische Volkskunde "Die Pfalz im Jahr" beim "Brotgelübde von Herxheim" die Einwohner der Gemeinde Otterheim erwähnt, so wird damit die allgemeine Bedeutung dieses traditionellen Geschehens verdeutlicht.
 

Lorenzeloch
Der Brauch
In diesem Buch heißt es: Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) hatte unsere Pfalz schwer gezeichnet. Plündern und Morden waren an der Tagesordnung, aber auch Seuchen rafften zahlreiche Menschen hinweg. Besonders die Pest wütete wie ein Geißel unter den Übriggebliebenen des schrecklichen Krieges. In den Jahren 1666/67 starben in Herxheim ganze Häuserreihen den Pesttod. Die Leergasse soll von daher ihren Namen haben. Dorf und Gemarkung standen unter Quarantäne. Die Bewohner fühlten sich einsam und einer Krankheit ausgeliefert, gegen die jegliches Heilkraut versagte. Lebensmittel wurden rar, Hungersnot brach aus. Sollten sie alle sterben? Da erbarmten sich die benachbarten Bewohner von Ottersheim, Knittelsheim, Offenbach und auch Bellheim ihrer vom Leide geprüften Nächsten. Sie brachten Lebensmittel an die Banngrenze Herxheims, legten sie am "Finsterloch" und am "Diebweg" ab: Unbekannte Wohltäter, die oft von ihrem letzten Brot gaben. Drinnen im Dorf schworen sie einen heiligen Eid, ausgemergelte Gestalten in Lumpen gehüllt, die Hände zum Himmel erhoben: "Herr, höre unser Flehen! Wende ab Pest und Hungersnot! Wir wollen dir ewig danken für deine Güte! Du hast uns geschlagen, nun aber hilf uns aus dem Staub und richte uns auf, denn du bist barmherzig! Wir geloben Dir, jedes Jahr nach der Ernte das Erstlingsbrot an unsere Wohltäter zu verteilen. Hilf uns, Herr hilf!" Pest und Hunger gingen, wie sie gekommen. Im Peststein mauerte man die Pest ein, auf dass sie nie mehr über das Dorf herfalle. Fortan wurde jedes Jahr am Sonntag nach Laurentius (10. August) das Brot geweiht und an der Banngrenze verteilt. Man wählte den Namenstag des heiligen Laurentius, weil er sich besonders der Armen annahm und Brot und Kleider an sie verteilte. Wie in all den vielen Jahren wurde beispielsweise auch 1997 neben anderem nachfolgendes über dieses Gelübde berichtet. "Am Vormittag dieses Sonntags wurden die Brote zum Kirchberg gebracht und auf einen bereitstehenden Wagen gelegt. Nach dem Hochamt versammelten sich die Gläubigen um den Priester, der das Brot weihte. Min dem zwölften Glockenschlag setzte sich dann der von zwei Pferden gezogene Wagen in Richtung Gemarkungsgrenze in Bewegung. Die Verteilung des gespendeten und geweihten Brotes an die Wohltäter in der Feldgewanne "Finsterloch" war des Gelübdes zweiter Teil. Der Wagen mit schätzungsweise gut einer Tonne Brot war inzwischen an jener historischen Stätte zwischen Herxheim und Ottersheim angekommen, an der die Bewohner der nördlichen Nachbargemeinden einst das Brot für die vom Tod bedrohten Herxheimer abgelegt hatten. In diesem Jahr haben wieder rund 400 Menschen das "Lorenzebrot", wie es Herxheims Altvorderen nannten, als Dankes- und Segensgabe angenommen.

Auszug aus dem Buch "Daheim in Ottersheim" von Berthold Feldmann.