Der WürzwischWenn am 15. August in den katholischen Pfarrgemeinden das Fest Mariä Himmelfahrt gefeiert wird, gehört die
Weihe des "Würzwischs" als fester Bestandteil zu diesem Tag. Aber auch aus Sicht der Volkskunde ist Mariä
Himmelfahrt ein bedeutender Tag, schließlich ist dieses Brauchtum in unserer Heimat bereits seit dem
Mittelalter überliefert, soll aber heidnischen Ursprung haben. |
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Der Brauch |
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Mit diesem Datum beginnt auch der sogenannte "Frauendreißiger", der sich bis Mariä Geburt am 8. September
erstreckt. Es heißt das in dieser gesegneten Erntezeit die Natur den Menschen besonders hold gesinnt ist und die
Jungfrau Maria segnend durch die Fluren geht. An Mariä Himmelfahrt werden schon seit alters her Kräuter
gesammelt und zum "Würzwisch" gebunden am Festtag der Aufnahme Mariens in den Himmel zur Weihe in die Kirche
gebracht. Nach alter Überlieferung soll in Ottersheim dieser Strauß 25 Kräuter umfassen, wie sie im ersten
Heimatbuch genannt und beschrieben sind. Beim Schülerwettbewerb "Erforsche deine Heimat" im Jahre 1985 haben
sich auch die Viertklässler der Grundschule mit diesem Thema beschäftigt. In manchen Gegenden unserer Heimat
werden sogar bis zu 99 Kräuter gesammelt. Überall aber steht die Großblütige Königskerze (Muttergotteskugel) im
Mittelpunkt des Straußes, um die entsprechend der Wuchshöhe die anderen Kräuter sauber angeordnet sind. Aus
Wiese, Wald, Feld und Garten werden Sauerampfer, Teufelsabbiss, Großer Wiesenknopf, Blutweiderich, Rainfarn,
Tüpfelhartheu, Leinkraut, Kleiner Odermennig, Aufrechte Osterluzei, Wasserminze, Sumpfgarbe, Wilder Dost,
Scharfgarbe, Waldweidenröschen, Wilde Möhre, Gemeiner Beifuss, Rispenhafen, Kleiner Ampfer, Haselnuss- und
Walnusszweige, Liebstöckel, Raute, Hirse und Tausendgüldenkraut gepflückt. Besonders mühsam war es dabei schon
früher, das rosablütige Tausendgüldenkraut zu suchen, da es in der Ottersheimer Gemarkung kaum zu finden ist.
Nach überliefertem Brauch sollten aber sieben bestimmte Kräuter immer Strauß sein. Über Jahre hinweg hat sich
durch Überdüngung und Verwendung von Herbiziden die Vielfalt der Wildkräuter und –blumen verringert, so dass
manche der genannten Kräuter nicht mehr oder nur schwer zu finden sind. Wilder Dost und Teufelsabbiss, in der
Bevölkerung als "Rote Garbe" und "Blaue Blutströpflich" bekannt, sind hier von stark betroffen. Auch die
Flurbereinigung mit neuen Bewässerungsmethoden der Wiesen hatte zur Folge, dass Pflanzen wie der Blutweiderich
oder die Wasserminze fast ganz verschwanden. Gottlob hat in den letzten Jahren wieder eine Wende zur Besserung
eingesetzt. Außerdem stehen nunmehr auch einige Arten unter besonderem Schutz. Insgesamt sollte es aber ein
allgemeines Anliegen sein, die artenreiche Feld- und Wiesenblumenflora zu erhalten. Heute wird der geweihte
"Würzwisch" nicht mehr wie früher zu Heilzwecken und Herstellung von Gesundheitsgetränken benutzt, sondern er
erhält seinen Platz im Haus, um dieses vor jeglichem Schaden wie Blitz und Feuer zu schützen. In Ottersheim
zeigt sich seit einigen Jahren bei der Kräutersuche sie katholische Frauengemeinschaft besonders aktiv, indem
sie ihre Mitglieder zum gemeinsamen Kräutersammeln aufruft. Die danach zu kleinen "Würzwischen" gebundenen
Sträußchen werden dann an Mariä Himmelfahrt im Anschluss an den Festgottesdienst gegen eine Spende für gute
Zwecke verteilt. Weniger bekannt als die Würzwischweihe ist, dass Mariä Himmelfahrt auch als Höhepunkt unter den
Festen der "Weinheiligen" gilt. Es ist das Fest der "Traubenmadonna", der Schutzpatronin des Weinbaus zur
beginnenden Traubenreife. Deshalb brachten früher die Weinbauern der Gottesmutter an Mariä Himmelfahrt die
ersten reifen Trauben dar.
Auszug aus dem Buch "Daheim in Ottersheim" von Berthold Feldmann. |
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